Einzelne Avocados verpackt in Plastik, Kinderzahnpasta mit Mikroplastik, Produkte aus Kunststoff so weit das Auge reicht – ein Blick in die Regale vieler Supermärkte ist wie eine traurige Vorschau in die Zukunft. Denn moderne Konsumgewohnheiten führen zu enormen Müllbergen. Diesen Müll finden wir dann früher oder später an den Stränden der Meere und über Umwege auch im Grundwasser, in der Luft und unserer Nahrung wieder.

Das ist nicht allein ein Problem für die Umwelt. Das Müllproblem wirkt sich direkt und indirekt auf die Gesundheit der Erde und auch auf unsere Gesundheit aus. Jeder Mensch nimmt heute je nach Ernährungsgewohnheiten durchschnittlich etwa fünf Gramm Plastik pro Woche auf – wir essen quasi regelmäßig eine Kreditkarte.

Dass wir Mensch und Natur nicht getrennt voneinander denken können, wird beim Thema Müll besonders deutlich. Wir sind Teil eines genialen und empfindlichen Ökosystems, das aus dem Gleichgewicht geraten ist. Es ist Zeit zu handeln. Durch die Umstellung einiger Konsum- und Lebensgewohnheiten können wir mit Leichtigkeit Müll vermeiden und uns noch dazu selbst etwas richtig Gutes tun. Die Zero Waste Bewegung wächst! Wer gut Bescheid weiß, was das Problem ist, kann auch Teil der Lösung werden – jetzt.

Plastik, Plastik, überall Plastik

Deutschland belegte im Jahr 2018 laut Statista Platz fünf der Liste der größten Müllproduzenten weltweit. Mit rund 180.000 Tonnen Abfall pro Tag liegen wir damit hinter den USA (Platz eins mit 625.000 Tonnen), China, Brasilien und Japan. Dabei ist vor allem die ständig steigende Menge an produziertem Plastik eine riesige Herausforderung. Plastikmüll landet teilweise in der Natur, wo er sich sehr langsam in immer kleinere Bestandteile zersetzt.

Unsere Einkaufsregale sind voller Produkte, die aus Kunststoff bestehen wie Zahnbürsten, Spielzeug oder Haushaltsartikel. Plastik wird außerdem besonders oft als Einwegverpackung genutzt. Aber es findet sich auch in vielen Produkten, in denen wir es auf den ersten Blick vielleicht nicht vermuten: in Zahnpasta, Baby-Windeln oder Seife – oft in Form von Mikroplastik.

Als Mikroplastik werden winzige Plastikteile mit einem Durchmesser von fünf Millimetern und kleiner bezeichnet. Dabei sind z. B. Peelingpartikel im Duschgel, die für ihre Verwendung direkt in kleiner Form hergestellt werden, primäres Mikroplastik. Als sekundäres Mikroplastik werden z. B. zerfallene Plastiktüten bezeichnet.

Plastik braucht besonders lange, bis es verrottet. So zerfällt etwa eine PET-Flasche erst nach 450 Jahren. Die traurige Wahrheit ist, dass wir dem Kunststoff heute nicht mehr entkommen können. Plastik liegt in der Luft, im Wasser und in der Nahrung. „Seit 2000 wurde weltweit so viel Plastik neu produziert wie in allen Jahren zuvor“, heißt es im Bericht des WWF Aufnahme von Mikroplastik aus der Umwelt beim Menschen, „ein Drittel davon gelangt in die Umwelt“.

Plastikmüll in den Meeren

Besonders bedrohlich ist der Plastikmüll für unsere Weltmeere. Auch Flüsse und Seen sind mit Mikroplastik belastet. Wir alle haben das Bild der Meeresschildkröte vor Augen, die mit einem Plastiknetz um den Hals ums Überleben kämpft. Verschlucken Meerestiere Plastikteile oder verheddern sich darin, verenden sie oft leidvoll.

Und auch Mikroplastik wird für sie mehr und mehr zum Verhängnis. Tiere nehmen über ihre Nahrung Plastik auf, das sie nicht verdauen können. Wir nehmen es wiederum durch den Verzehr von Fisch in uns auf:

Australische Forscher haben nachgewiesen, dass Sardinen, gekauft an einem australischen Küstenort, eine Gesamtkonzentration von 2,9 mg Kunststoff enthielten. Sie testeten auch Austern, Garnelen, Tintenfische und Krabben – keine einzige Probe war dabei plastikfrei. Das beweist: Was wir in die Tonne werfen, landet über Umwege bei uns im Magen.

Das ist nur ein Beispiel dafür, wie Überfluss zu Überdruss werden kann. Doch wir haben die Wahl. Wir haben die Wahl, Müll zu vermeiden, ökologische Produkte mit wenig oder keinem Plastik und Mikroplastik zu nutzen, die Umwelt zu schützen und damit Tiere, Pflanzen und uns selbst gesund zu erhalten.

Müllreduzierung – so geht’s

Nachhaltigkeit beginnt im Kopf. Auch wenn gerade noch die Wegwerfmentalität unsere Gesellschaft dominiert, leben immer mehr Menschen wieder im Einklang mit der Umwelt und die Zero Waste Bewegung geht mit großen Schritten voran. Kleine Veränderungen können oft Großes bewirken. Dabei bedeutet Nachhaltigkeit für uns nicht Verzicht, sondern echten Reichtum in den verschiedenen Lebensbereichen.

Die Lösung des Müllproblems ist bewusster Konsum. Eine neue Wertschätzung für die Dinge, die uns umgeben und unseren Alltag schöner und leichter machen, führt automatisch auch zu einer Wertschätzung für den Planeten, den wir unser Zuhause nennen und der unsere Lebensgrundlage bildet.

Was heißt das konkret? Das kannst du tun, um Müll zu vermeiden:

Auf Plastik und Mikroplastik verzichten
Wer Produkte aus natürlichen Materialien kauft, erweist der eigenen Gesundheit und der Umwelt einen Liebesdienst.

Qualität statt Quantität
Hochwertige Produkte haben oft eine längere Nutzungsdauer und müssen damit nicht so oft nachgekauft werden. Das spart nicht nur Geld, sondern auch wertvolle Ressourcen.

Müll richtig entsorgen
Gelbe Tonne, Papier, Glas, Biomüll – ohne Mülltrennung kein Recycling. Restmüll landet in Verbrennungsanlagen, womit Rohstoffe nicht wiederverwendet werden können.

Verpackungsmüll vermeiden
Viele Lebensmittel wie Obst oder Gemüse können unverpackt oder im Stoffnetz gekauft werden. In schmucken Unverpackt-Läden kann ganz ohne Einwegverpackungen geshoppt werden. Wenn es nicht ohne Verpackung geht, dann möglichst eine mit geringer CO2-Emission.

Mehrweg statt Einweg
Je mehr Stoffe wiederverwendet werden, z. B. Glasflaschen, umso weniger muss auf neue Rohstoffe aus der Natur zurückgegriffen werden.

Stofftasche statt Plastiktüte
Simpel, aber effektiv: Am besten immer einen schönen Stoffbeutel in der Tasche dabeihaben.

Bewusstsein schaffen
Nachhaltigkeit beginnt im Kopf. Wenn dein Herz für Umweltschutz und Müllvermeidung schlägt, teile dein Wissen empathisch mit anderen.

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